Worauf warten wir eigentlich alle?

Eine Frage, die mich persönlich sehr trifft, denn ich habe da wohl so ein Händchen für.

Zu oft höre ich von älteren Menschen den Satz „Eure Generation ist absolut beziehungs- und bindungsunfähig.“ Erstmal denke ich mir, das ist schon sehr über einen Kamm geschert. Doch die Erfahrungen, die ich selbst, aber auch meine Freunde machen, unterstützen diese These fast immer. 

Es ist eigentlich oft das gleiche Spiel. Man lernt sich kennen, in einer Bar oder auch über Tinder. Man datet sich. Es funkt, man versteht sich und soweit passt doch eigentlich alles. Aber irgendwann gibt es einen Cut. Wenn man merkt, es wird so langsam Zeit, mal darüber zu sprechen, wo das denn so hinlaufen könnte. Alles immer noch wahnsinnig theoretisch und in weiter Ferne. Doch meist fängt schon an diesem Punkt das Problem an. Denn dann geht es um eine Bindung, eine Verantwortung, eine Beziehung zu einem anderen Menschen. In meinem Leben hatte ich dreimal genau diese Situation. Das erste Szenario war einfach: Er hatte eine Freundin, dann hatte er sie nicht, dann hatte er sie wieder. Mich hatte er nebenher. Es wurden große Liebeserklärungen ausgetauscht, leere Versprechungen. Das ganze ging fast 2 Jahre. Bis ich irgendwann fast daran zerbrochen bin. Das zweite Mal habe ich 1 ½ Jahre auf eine Beziehung gewartet. Diese hat dann nicht mal ein Jahr gehalten. Denn ich habe gemerkt, eigentlich war er nie bereit für eine Bindung. Womit ich zu meiner dritten Erfahrung komme. Wie diese ausgeht, kann ich nicht sagen, denn ich stecke mitten drin. Zwei Menschen, die besser nicht zueinander passen könnten. Zwei Individuen, die sich vortrefflich ergänzen und eine wahnsinnig spannende und energiereiche Einheit bilden. Und trotzdem – befinde ich mich wieder an dem Punkt, an dem es wohl ein sehr frühes Ende einer Liebesgeschichte gibt. Denn ein Part hat Angst, hat keine Lust, fühlt sich unwohl. Keine Ahnung, denn woran es liegt kann ich nicht sagen.

Und genau hier kommt der Punkt, an dem ich wütend werde, ratlos. Worauf warten wir? Was brauchen wir, um einfach den Absprung zu schaffen und loszulassen? Reichen die Gefühle, die wir haben immer noch nicht aus? Sind wir so perfektionistisch, dass wir es immer noch besser haben wollen? Ich verstehe es nicht. Und es bereitet mir Kopfschmerzen, darüber nachzudenken. Und das Schlimmste ist: Ich denke immerzu, es liegt an mir. Ich bin nicht genug, ich bin nicht richtig oder verlange zu viel. Doch eigentlich will ich nur eins. Jemanden aufrichtig und mit jeder Faser meines Körpers lieben. Was passiert mit der Menschheit? Wir warten immer noch auf etwas, wir sind nicht zufrieden mit der Auswahl, die wir treffen? So geht es ja nicht nur beim Dating. In so vielen Lebenslagen können wir einfach nicht genug kriegen und uns nicht auf eine Wahl festlegen. Ich bin nur der Meinung, dass es uns sehr gut tun würde, endlich einmal anzukommen. Ich will es auf jeden Fall. 

One thought on “Worauf warten wir eigentlich alle?

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  1. True words! Ich hab mich in deinem Blog 100 % wiedererkannt. Bin auch der Part, der einfach macht und schaut wohin es führt und ich verstehe es auch nicht, worauf alle warten…? Aber wahrscheinlich geht es um die Bindung. Die Verantwortung. Niemand will sich binden, niemand will für etwas außer sich selbst verantwortlich sein. Aber am Ende des Tages heulen alle rum wie einsam sie sind.

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